Skip to main content

Blog

Der Planet wird uns überleben

Avatar of Maria Spirk Maria Spirk - 02. Oktober 2018 - Unsere Lieblingsblogs, Energiewende / Nachhaltigkeit

Unser Klima: Wandel, Schutz & Anpassung. Wir haben mit Michael Kessler, dem CEO von energieheld.de, über den Klimawandel, -schutz und die Frage warum Heizen mit Holz dazu beitragen kann, den CO2-Ausstoß zu verringern, gesprochen. In einem interessanten Interview erläutert er, wie man als Eigenheimbesitzer seinen persönlichen Energieverbrauch senken und somit seinen CO2-Fußabdruck möglichst klein halten kann.

Stefanie Genser (KWB): Der Klimawandel ist voll im Gang. Wie verändert sich unsere Lebenswelt in den nächsten Jahren?

 Michael Kessler (energieheld.de): Wir erleben heute schon die Folgen des Klimawandels, zum Beispiel Ernteausfälle, Wetterextreme, klimabedingte Flucht und vieles mehr. Das alles zeigt: Der Klimawandel trifft den Menschen am härtesten, nicht die Natur. Der Planet wird uns überleben, aber wir vielleicht nicht mehr. Deshalb müssen wir alles daran setzen, die Auswirkungen der Erderwärmung zu begrenzen und uns darauf vorbereiten, dass mehr Menschen auf einem kleineren Lebensraum unter schwierigeren Bedingungen überleben wollen.

Stefanie Genser (KWB): Welche Möglichkeiten hat ein Eigenheimbesitzer, seinen CO2-Austoß zu verringern?

 Michael Kessler (energieheld.de): Je nach Zustand des Hauses und Budgets stehen einige Maßnahmen zur Auswahl. Grundsätzlich gilt: Energieeffizienz hat oberste Priorität, danach kann man über nachhaltige Energieerzeugung und -nutzung nachdenken. Einfache Sachen wie klüger heizen, richtig lüften, zu einem ökologischen Strom- und Gasanbieter wechseln, Standby ausschalten etc. stimmen nach wie vor. Das kostet kein Geld und hat einen guten Effekt. Danach kommen Dämmmaßnahmen am Haus, am einfachsten ist da die Einblasdämmung oder Zwischensparrendämmung. Wichtig ist, dass die Gebäudehülle möglichst dicht ist, damit wenig Energie unkontrolliert verloren geht. Natürlich muss in dem Zusammenhang aber der Austausch der Raumluft ausreichend sein, was durch eine Lüftung automatisch gelöst werden kann und durch eine Wärmerückgewinnung auch noch Energie einspart. Als Letztes sollte dann die Heizung erneuert werden, damit diese dann auf den verringerten Wärmebedarf des Hauses abgestimmt ist.

Stefanie Genser (KWB): Wie werden Eigenheimbesitzer im Jahr 2050 heizen?

 Michael Kessler (energieheld.de): Öl und Gas sind endliche Ressourcen, die zusehends teurer werden. Deshalb ist es ratsam, auf erneuerbare Energien zu setzen und nachwachsende Rohstoffe zu nutzen. Wärmepumpen und Biomasseheizungen sind da jetzt schon auf dem Vormarsch, aber auch Mischsysteme mit einer Solarthermie- oder PV-Anlage rechnen sich und bieten einen guten Energiemix für Heizung und Warmwasser, je nach Bedarf.

Stefanie Genser (KWB): Wie kann jeder Einzelne zum Klimaschutz beitragen? Stichwort Energieerzeugung und Energieeinsparung.

 Michael Kessler (energieheld.de): Ein ganz wichtiger Schritt ist der Wechsel zu Ökostrom, das schont nicht nur die Umwelt, sondern setzt auch ein klares Zeichen für Wirtschaft und Politik, dass die Verbraucher ökologische Alternativen wollen. Zusätzlich gibt es verschiedene Gemeinschaftsprojekte wie Mieterstrom und Co., die in Richtung Selbstversorgung gehen. Auch beim Heizen geht viel Energie unnötig verloren, deshalb ist wichtig: Temperatur genau regeln, abends und wenn man nicht da ist die Nachtwärmefunktion nutzen oder einen smarten Thermostat einbauen. Nicht zu vergessen sind die Klassiker wie Rad und öffentliche Verkehrsmittel nutzen, Flugreisen und Tierprodukte reduzieren etc. Das hält den CO2-Fußabdruck klein und spart indirekt viel Energie ein, die sonst für die Produktion genutzt worden wäre.

Stefanie Genser (KWB): Warum ist gerade im Zusammenhang mit dem Klimawandel die Waldbewirtschaftung so enorm wichtig?

 Michael Kessler (energieheld.de): Die Waldbewirtschaftung erhält den Baumbestand und sorgt für Vielfalt, was besonders wichtig ist, um Lebensräume für Mensch und Tier zu erhalten und den Wasserkreislauf zu regeln. Bäume binden das klimaschädliche CO2, neutralisieren es dadurch und erzeugen lebensnotwendigen Sauerstoff. Darüber hinaus ist Holz ein nachwachsender Rohstoff, den wir zur Energieerzeugung nutzen können.

Stefanie Genser (KWB): Welche Energieart ist aus heutiger Sicht die richtige? Und warum?

 Michael Kessler (energieheld.de): Fossile Energien wie Öl, Gas und Kohle sind nicht nur schädlich für das Klima, sie sind vor allen Dingen nur begrenzt vorhanden und irgendwann aufgebraucht. Erneuerbare Energien aus Sonne, Wind und auch Holz können mindestens innerhalb einer Generation wieder hergestellt werden, sodass sie theoretisch endlos nutzbar sind. Außerdem stoßen sie kein CO2 aus und tragen nicht zur Erderwärmung bei. Wer dennoch fossile Brennstoffe nutzen möchte, wird langfristig mit steigenden Kosten konfrontiert und schadet zusätzlich dem Klima.

Stefanie Genser (KWB): Stehen wirtschaftliche Interessen dem Klimaschutz im Weg - Stichwort Erdöl/Erdgas-Lobby?

Michael Kessler (energieheld.de): Leider ja. Klimaschutz ist unbequem und wird als Hindernis betrachtet, zumal der Großteil westlicher Industrienationen auf der Grundlage von Öl- und Gasvorkommen wirtschaftet. Die daraus gewachsenen Machstrukturen reichen bis in die politische Entscheidungsebene und verhindern eine schnelle und entschlossene Klimapolitik. Dabei schaffen Erneuerbare Energien, Elektromobilität und Co. Arbeitsplätze und sichern Forschungsstandorte sowie zukünftige Wirtschaftszweige.

Stefanie Genser (KWB): Welche Energiebilanz haben Pellet-, Holz- oder Hackschnitzelheizungen im Gegensatz zu Öl und Gas?

 Michael Kessler (energieheld.de): Zwar müssen für die Rohstoffbeschaffung, Herstellung und Transport von Pellets Energien aufgewandt werden, allerdings ist die Energiebilanz um ein Vielfaches niedriger als bei Öl und Gas. Wenn man ganz genau vergleichen möchte, lohnt sich ein Blick auf den Primärenergiefaktor, der als Gewichtungsfaktor unterschiedliche Energiearten bewertet. Hier schneidet Holz mit 0,2 und Heizöl und –gas mit 1,1 ab, bei fossilen Brennstoffen ist der Energieverbrauch durch Verluste bei der Gewinnung und Transport also noch höher als die Energie, die im Haus verbraucht wurde. Zum Vergleich: Solarenergie hat den Primärenergiefaktor 0, da die gewonnene Energie vollständig und ohne Zusatzaufwand genutzt wird.

Stefanie Genser (KWB): Ist das Heizen mit Holz klima- und CO2-neutral?

 Michael Kessler (energieheld.de): Das Heizen mit Holz gilt als CO2-neutral, da bei der Verbrennung nur so viel CO2 freigesetzt, wie der Baum, aus dem die Pellets hergestellt wurden, während seines Wachstums auch aus der Atmosphäre gebunden hat. Die Herkunft des Holzes ist ganz entscheidend, also ob es aus einem schnell nachwachsenden Baum kommt, der regelmäßig nachgeforstet wird oder Tropenholz aus gerodeten Regenwäldern. Deshalb sollte man keine günstigen Pellets aus fragwürdiger Quelle kaufen, sondern, wie bei Tierprodukten, Kleidung und anderen Konsumgütern, auf Herkunft und Produktion achten.

Danke für das Interview!

Comments are disabled for this post.

0 comments