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Zero Waste - Ein Leben ohne Müll

Avatar of Maria Spirk Maria Spirk - 12. August 2019 - Energiewende / Nachhaltigkeit

(c)NeONBRAND_on_Unsplash

So viel Abfall vermeiden, wie nur möglich: das ist das Ziel der Zero Waste-Bewegung. Sarah Reindl und Verena Kassar bieten in Graz mit einer verpackungsfreien Greißlerei und einem verpackungsfreien Erlebnis-Supermarkt die passende Infrastruktur.

4,3 Millionen Tonnen Müll produzieren die österreichischen Haushalte jährlich. Das bedeutet, dass jeder einzelne Österreicher, jede einzelne Österreicherin  im Jahr knapp eine halbe Tonne Müll verursacht. Und das ist schon wirklich eine ganze Menge. Doch ein großer Teil davon wäre jedenfalls vermeidbar, wenn man zum Beispiel schon beim Einkauf auf die Verpackung der Nahrungs- und Lebensmittel achtet mit dem großen Ziel „Zero Waste“ zu verursachen.

(c)das dekagramm

So sehen das auch Sarah Reindl und Verena Kassar, die Gründerinnen des ersten verpackungsfreien Greißlers „Das Gramm“ in Graz. „Wir bieten unseren Kundinnen und Kunden im Gramm und auch im Dekagramm die Möglichkeit, verpackungsfrei einzukaufen. Unsere Kunden bringen ihre eigenen Gläser und Behälter mit, befüllen sie und zahlen nur den Inhalt. Und auch wenn die Behälter mal vergessen wurden, können bei uns Gläser geliehen oder gekauft werden“, sagt Sarah, die die erste verpackungsfreie Greißlerei in Graz gemeinsam mit Verena im April 2016 eröffnet hat.

Doch Zero Waste hört für die beiden Jungunternehmerinnen nicht beim Einkauf auf: „Zero Waste ist für uns eine Lebenseinstellung. Wir möchten Müll in allen Lebensbereichen vermeiden. Das bedeutet: Verpackungsfrei einkaufen und auch nur die Mengen kaufen, die man tatsächlich braucht. Aber auch sich selbst keinen Müll zuführen. Soll heißen: Schadstofffreie Kosmetik und hochwertige Nahrungs- und Lebensmittel. Und auch auf Beziehungsebene sollte man Menschen, die nicht gut für einen sind, meiden“, so Verena Kassar.

 

Unverhofft kommt oft

Sarah hatte den Traum eines verpackungsfreien Ladens in Graz und auch schon den Plan dafür im Kopf, als sie Sarah beim 1. Umweltzirkus der Stadt Graz 2015 kennengelernt hat. „Was mir fehlte, war Jemand, der sich um das Räumliche kümmert. Ich wollte Wohlfühlatmosphäre für Alle, es sollte nicht zu hipp und modern sein und keinesfalls nur eine bestimmte Zielgruppe ansprechen. Und dann läuft mir beim Umweltzirkus Verena über den Weg. Verena, die Ausstellungs-Design studiert hatte. Wir fanden ziemlich schnell heraus, dass uns Vieles verbindet und schon fünf Monate später starteten wir mit der Umsetzung unseres Traums“, erzählt Sarah strahlend von den ersten Schritten. Das nötige Eigenkapital generierten die Jungunternehmerinnen mittels Crowdfunding. In nur zwei Monaten wollten die zwei Wertgutscheine in der Höhe von 50.000 Euro verkaufen. Doch mit einem Ergebnis von 60.000 Euro hatten sie nicht gerechnet. Die ungemeine Resonanz bestärkte sie in der schnellen Umsetzung und sie eröffneten im April 2016 die erste verpackungsfreie Greißlerei „Das Gramm“ in Graz. Die Wertgutscheine können seitdem eingelöst werden. Mittlerweile gibt es neben dem Gramm auch „Das Dekagramm“ – den verpackungsfreien Erlebnis-Supermarkt am Joanneumring.

Und gerade weil Zero Waste für Sarah und Verena eine Lebenseinstellung ist, und ihnen die Bewusstseinsbildung in diesem Bereich sehr wichtig ist, gibt es die Möglichkeit, die beiden auch für Vorträge und Workshops zu buchen. Und was passiert mit den Lebensmitteln, die im Gramm und Dekagramm nicht verkauft werden? Landen die etwa im Müll? „Nein, die landen bei uns im Topf“, lacht Verena. Täglich kann man im Dekagramm ein frisches Mittagsmenü essen, das aus hochwertigen Zutaten und mit ganz viel Liebe gekocht wird.

(c)das dekagramm

Ein Wunsch für die Zukunft?

„Wir wünschen uns, dass es den Konsumenten schwerer gemacht wird, leichtfertig mit Verpackungen umzugehen. Es muss sich einfach an den Rahmenbedingungen einiges ändern. Wir brauchen Lösungen und Dienstleistungen, die es allen einfacher machen, den Zero Waste Gedanken in die Praxis umzusetzen und nicht Supermärkte, die mit 1+1 Gratis-Aktionen die Leute zum Kaufen bewegen, wobei das Gratisprodukt dann nicht selten im Mülleimer landet“, sind sich Verena und Sarah sicher. Mit ihren verpackungsfreien Läden in Graz haben sie auf jeden Fall schon gezeigt, wie es gehen kann.

Jeder kann etwas tun - Tipps zur Müllvermeidung! 

  • Das Auge schärfen: Wie viel Müll im täglichen Leben anfällt, fällt oft gar nicht mehr auf. Deshalb beginnt Vermeiden beim Verpacken: Lieber offene als verpackte Produkte kaufen und bewusst darauf achten, was man in die Hand nimmt.
  • Eine Frage des Geschmacks: Den eigenen Behälter für Lebensmittel wie Wurst und Käse mitnehmen, anstelle es einpacken zu lassen. Auch das Pausen-Brot für Schule, Beruf und Freizeit benötigt weder Alu- noch Frischhaltefolie, sondern ist auch in einer Jausenbox hygienisch und gut aufgehoben.
  • Plastiksackerln einen Korb geben: Ein Stoffsackerl nimmt kaum Platz in der Tasche ein. Statt Plastiksackerl lieber eine Stofftasche oder einen Korb verwenden.
  • Nein sagen: Ob beim Strohhalm im Restaurant, das Werbegeschenk in der Einkaufsstraße oder das Werbematerial via Post – wer Müll vermeiden möchte, lehnt dankend ab.
  • Der Griff zur Flasche: Statt Plastikflasche und Getränkedose zu Glas- und Pfandflaschen greifen, die wiederverwertet werden können.
  • Lieber nah, statt fern: Zunehmend mehr Landwirte vermarkten ihre Erzeugnisse selbst und nehmen Verpackungen für Milchprodukte, Säfte, Marmeladen, Fleisch und Brot meist gerne wieder zurück. Auch auf Wochenmärkten werden Obst, Gemüse und andere Köstlichkeiten ohne aufwändige Verpackungen angeboten.
  • Alles hat zwei Seiten, so auch jedes Blatt Papier. Die Rückseite bietet Platz für Abfallvermeidung.
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